Review-Wochenende ~ Severin Piccola

„Ich kann meinen Kaffee ohne Milch trinken, aber niemals ohne Zucker.“.
Jedes Mal, wenn ich das sagte, kräuselten sich meinem Freund die Zehennägel und er bezichtigte mich des Tötens von gutem Kaffee. Die spannende Frage nun: Hat die Piccola mich dazu gebracht, meinen Kaffee nicht mehr mit zuckriger Süße zu töten?

Anderthalb Wochen ist es nun her, dass die Piccola in meine Küche eingezogen ist und da ist es langsam an der Zeit, meine Meinung kundzutun.
Die technischen Details habe ich bereits in meinem Post von vergangener Woche kundgetan und werde somit nicht noch einmal näher darauf eingehen, sondern direkt zu meiner Bewertung kommen.
Zuvor jedoch ein riesengroßes Dankeschön an das Team vom Lisa Freundeskreis, dass mir diesen Test ermöglicht und für eine so tolle Betreuung während des Projektes gesorgt hat. Dank auch an Herrn Sebastian Plothe, der die Betreuung des Expertenblogs übernommen hatte und unermüdlich all unsere Fragen beantwortet hat.

Technische Seite

Die Bedienung ist einfach genug, wenn auch nicht an allen Stellen völlig intuitiv möglich. So hätte ich nicht gedacht, dass die Anzeige von Bohnen/Wasser/Milch mit „WLAN-Balken“ bedeutet, dass hier meine individuell vorgenommenen Einstellungen zubereitet werden.Piccolaeinstellungen Ich dachte eher, dass ich hier die Taste so lange gedrückt halte, wie ich möchte, dass die Zutat hinzugefügt wird. Ist ja erstmal egal, dass das mit frisch gemahlenem Kaffee wahrscheinlich etwas schwer wird, aber sowas kannte ich von der Pad-Maschine, die meine Eltern haben. Und man versucht ja immer zunächst, bereits bekanntes auf neue Gegebenheiten zu übertragen. Naja, dem war nicht so. Somit war es auch wenig verwunderlich, dass mein Latte Macchiato auch nach individueller Einstellung noch ziemlich klein blieb – ich hatte nicht den Balken-Modus benutzt. Ein Blick in die ausführliche Bedienungsanleitung schuf jedoch Abhilfe und jetzt füllt der Latte Macchiato meine entsprechenden Gläser nicht mehr nur bis knapp zur Hälfte.
In der Premium-Variante ist ja ein Thermogefäß für Milch enthalten, in der Classic-Variante nicht. Mich stört es nicht, dass ich keinen extra Behälter habe. Der Schlauch passt wunderbar in meine Milchtüten und selbst wenn diese schon recht leer ist, saugt die Piccola auch noch den letzen Rest vom Boden der Tüte auf. Ein Vorteil, wenn man die Milchtüte benutzt: Man kann die Milch nicht im Extrabehältnis vergessen. Würde mir garantiert passieren und ich müsste literweise saure Milch wegkippen.
Die Gerätereinigung gestaltet sich sehr einfach und ist nicht mit nennenswertem Aufwand verbunden. Die Piccola macht sich sowohl beim Einschalten als auch beim Ausschalten innerlich sauber (was sich nicht abstellen lässt; so will der Hersteller beste Hygiene garantieren) und jedes Mal, wenn man ein Getränk mit Milch zubereitet hat, fragt sie, ob man den Milchschlauch plus Auslauf spülen möchte. Sowohl die normale Spülung als auch die Spülung des Milchsystems kann man über das Menü noch individuell ausführen. Die Teile, die täglich gereinigt werden sollen, sind schnell abmontiert und abgespült. Sogar der relativ große Wasserauffang passt dabei noch gut in meine kleine Spüle. Die Brüheinheit, welche wöchentlich gereinigt werden soll, lässt sich ebenfalls leicht herausnehmen und wieder einsetzen.
Wie ich in meinem Vorstellungspost schon sagte, kann man den Mahlgrad verstellen. Leider ist mir das bis heute nicht gelungen, obwohl ich weiß, wie es in der Theorie funktionieren sollte. Ich habe wahrscheinlich nicht den Mut, so doll an dem entsprechenden Rädchen zu drehen, wie ich müsste, weil ich Angst habe, etwas kaputt zu machen. Vielleicht schaffe ich das ja noch irgendwann, denn mich interessiert schon, welche Auswirkungen das auf den Kaffeegeschmack hat.
Wo wir schon beim Mahlen sind: die Lautstärke. Der Mensch, der eine geräuschlose Methode des maschinellen Kaffeemahlens erfindet, bekommt wahrscheinlich mal einen Nobelpreis. Es ist schon etwas lauter, aber ich finde es völlig okay. Mir ist noch keine leise und zugleich motorisierte Kaffeemühle begegnet und von daher kann ich super damit leben. Meine Nachbarn haben sich auch noch nicht beschwert. So schlimm ist es also nicht. Das Aufbrühen an sich ist von der Lautstärke her so, wie ich es von anderen Maschinen wie z.B. der Tassimo kenne. Natürlich ist es lauter als eine Filterkaffeemaschine, aber der Kaffee schmeckt viel besser. Und es dauert ja auch nicht so arg lang, bis eine Tasse fertig ist.

Fazit:
Manchmal wünsche ich mir, den Spülvorgang beim Einschalten der Piccola überspringen zu können. Ich verstehe zwar das Anliegen des Herstellers, für größtmögliche Hygiene zu sorgen, aber morgens bin ich manchmal noch ein wenig im Tran und hab vielleicht noch kein Gefäß zu Auffangen untergestellt. Auch möchte ich die Maschine nur ungern den ganzen Tag, wenn ich außer Haus bin, richtig an lassen (über die programmierbare Abschaltautomatik wäre das möglich), selbst wenn ich weiß, dass ich, wenn ich dann wieder zu Hause bin, noch einen Kaffee trinken möchte. Somit wird die Piccola dann viermal am Tag gespült und das ist in meinen Augen irgendwie übertrieben. Von daher fände ich es einfach schön, wenn ich die Wahl hätte, den ersten Spülgang zu überspringen.

Der Kaffee

Zur Auswahl stehen fünf Sorten Kaffeespezialitäten – Kaffee, Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato, Milchkaffee – und die Option, nur Milch zu machen.
Den Espresso durfte mein Freund für mich testen, die übrigen Möglichkeiten habe ich alle auch selbst getrunken. Der Espresso bekam einen Daumen hoch und auch alle anderen waren zufriedenstellend. Der normale Kaffee war sogar so gut, dass ich nicht mal Zucker ranmachen musste (normalen Filterkaffee krieg ich nicht ohne Zucker runter). Allerdings muss ich gestehen, dass ich rein geschmacklich noch nicht so ganz herausgefunden habe, was eigentlich der Unterschied zwischen Latte, Cappu und Milchkaffee ist. Die Zubereitungsreihenfolge ist zumindest bei allen gleich und naja … Mal schauen, vielleicht finde ich ja noch irgendwo was, wie das Verhältnis von Kaffee zu Milch klassischerweise sein soll und kann das dann einstellen. Die Temperatur des Getränks ist wie versprochen ab der ersten Tasse heiß (ich hab mir erstmal hübsch die Zunge verbrannt …) und der Milchschaum sowie die Crema erfüllen auch sämtliche Erwartungen. Wenn jetzt noch der Latte Macchiato immer perfekt geschichtet wäre wie bei meinem ersten Glas. Ich habe keine Ahnung, was bei meinem letzten Glas anders war (abgesehen von der Milch- und Kaffeemenge, die ja eigentlich keine Auswirkung haben sollte), jedenfalls war keine Schichtung zu erkennen. Ich werde das im Auge behalten.
Ansonsten bin ich hier insgesamt zufrieden und glücklich. Ich muss noch etwas mit den Einstellungen experimentieren, um meine beste individuelle zu finden, aber das lässt sich ja hinbekommen.
Etwas eigenartig, nein, eher gewöhnungsbedürftig finde ich die Milchdosierung. Ich habe leider (noch) kein Gefühl dafür, welches Volumen an Milch da in 10, 15 oder 30 Sekunden durchgesaugt wird. Hier wäre es auch schön, für alle, die ihren Kaffee gerne mit einem guten Schuss Milch trinken, die Option zu haben, nur sehr kurze Zeit Milch anzusaugen und erhitzt zum Kaffee zu geben. 10 Sekunden ließen meine Tasse überlaufen, obwohl noch recht viel Platz darin war; mal abgesehen davon, dass ich vielleicht nicht so viel Milch zu Kaffee möchte. Und diese Option wäre toll, weil dann erstens der Kaffee nicht durch Zugabe kalter Milch heruntergekühlt wird und man zweitens noch hübschen Milchschaum hätte.
Aber das ist dann Kür, keine Pflicht.

Fazit:
Wenn ich meine bestmöglichen Einstellungen gefunden habe, perfekt. Schnell und vor allem unkompliziert ist eine Tasse leckerer Kaffee auf dem Tisch.

Für die Zukunft

Demnächst werde ich mal zu dem tollen Kaffeeladen neben der Stadtbibliothek und etwas ausgefalleneren Kaffee kaufen. Ich bin sehr gespannt, ob ich, ein absoluter Banause in solchen Sachen, dort einen Unterschied schmecke. Meistens muss man ja nur bewusst darauf gestoßen werden. Bei Milch dachte ich ja auch lange Zeit, dass es keinen Unterschied macht, ob ich nun 1,5% oder 3,5% habe, ob nun Frischmilch oder H-Milch. H-Milch, die ich früher tatsächlich getrunken habe, nehme ich inzwischen nicht mal mehr zum Backen oder Kochen und unter 3,5% kommt nichts in meinen Kühlschrank. Vielleicht ergeht es meinem Kaffeegeschmackssinn ja auch so.

Für heute bin ich gespannt auf den Kaffee, der auf der Geburtstagsfeier kredenzt werden wird. Wahrscheinlich brauch ich da wieder ein Stück Zucker. Oder zwei.

Yours, Aly <3