Harald Töpfer, die Sieben bitte!

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Unglaubliche acht Jahre ist es jetzt her, dass Harry Potter uns das letzte Mal verzaubert hat.
Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, wie ich mit meiner besten Freundin der Mitternachtslieferung auf dem Sofa entgegen gefiebert habe. Stilecht mit Harry-Potter-Muffins. 0:20 Uhr war es dann soweit und wir konnten endlich die lang ersehnten ersten Zeiten des furiosen Finales lesen.

May contain spoilers.

Und was war es für ein Finale!
Bereits in den ersten Kapiteln dramatische Todesfälle, die einem die Tränen in die Augen trieben. Und ich übertreibe an der Stelle nicht; dass Hedwig, Harrys treue, in unschuldiges Weiß gekleidete Begleiterin, sterben musste, hat mich damals wie heute emotional tief berührt. Dramaturgisch aber ein guter Schlussstrich unter Harry Potters bisheriges Leben. Ein deutlicheres Zeichen, dass es ab jetzt anders lang geht, hätte es wohl nicht geben können.
Alles in allem hat mir der letzte Band jetzt, nachdem ich dieses Jahr die komplette Reihe nochmal gelesen habe, besser gefallen als vor acht Jahren (gleiches gilt für den sechsten Band, den ich damals überhaupt nicht mochte).
Zur sprachlichen Seite kann man eigentlich gar nicht viel sagen, Rowlings Stil ist ansprechend, aber nichts besonderes. Die Übersetzung lässt einen an einigen Stellen, z.B. wenn es darum geht wie Jungs Mädchen nicht nur mit ihren Zauberstäben beeindrucken können, unbeabsichtigt schmunzeln. Genau so wie in allen Bänden vorher auch.
Interessanterweise ist das Buch, obwohl Harry, Hermine und Ron Hogwarts nicht besuchen, auch wieder annähernd in Trimester ähnlich dem Schuljahresablauf unterteilt. Wie auch zuvor in der Reihe sind die einzelnen Abschnitte mal mehr, mal weniger mit Handlung gefüllt, der Anfang zieht sich zeitlich in die Länge und am Ende geht es Knall auf Fall. Dieses Mal ergibt das durchaus Sinn, mehr vielleicht als in den anderen Büchern, bei denen man manchmal das Gefühl bekam, das einfach der zeitliche Rahmen des Schuljahres ausgefüllt werden musste. Am Anfang blicken die drei quasi in eine unsortierte Kiste mit Puzzleteilen, die sich nach und nach zusammenfügen und die letzten Teilen fügen sich wie von selbst.
Trotzdem bleibt ein bisschen der Beigeschmack, dass auch hier das Schuljahr irgendwie ausgereizt werden musste; als würde die Welt untergehen, wenn wir Harry nicht ein Jahr begleiteten. Für mein Empfinden hat Frau Rowling versucht, viel zu viel Backgroundstory zu bringen, die irgendwie in den letzten Band hineingepresst werden musste. Mit den Horkruxen ist der Leser vor Band Sieben schon in Berührung gekommen, aber die Heiligtümer des Todes fielen irgendwie vom Himmel und eine Erklärung musste her und eine tragische Vergangenheit und fehlgeleitete Jugend von Dumbledore. Es ergab am Ende alles schon Sinn, aber etwas konstruiert wirkte es doch. Selbst die Tode wirkten so, als hätten die Guten zwangsläufig ihre schillernsten Gestalten verlieren müssen. Eigentlich ist es schon fast erstaunlich, dass ein Zwilling überleben durfte. Ich kann nicht behaupten, dass mir das wirklich nah gegangen ist, obwohl ich die Zwillinge von den Nebencharakteren immer am liebsten mochte.
Das Ende war dann allemal pathetisch. Ich persönlich hätte mir, damals wie heute, einen anderen Schluss gewünscht. Oder zumindest, dass es keinen Epilog gegeben hätte. Der war und ist zu viel des Guten.
Die Hauptcharaktere erfahren aus meiner Sicht keine nennenswerte Vertiefung ihres Charakters, brauchen dies aber auch nicht unbedingt. Ron ist Ron, Hermine das Gehirn der Truppe, Harry der tragische, aufopfernde Held, der sein Schicksal akzeptiert und tut, was ein Held tun muss und Voldemort der Protoantagonist, so böse, wie ein Bösewicht nur sein kann; der Rest war Schmuck am Nachthemd.
Neue Züge zeigen die wenigsten Personen, die auftreten. Aber wer hätte schon gedacht, dass Neville tatsächlich Anführer des internen Hogwartswiderstandes wird und dass Kreacher tatsächlich auch nett sein kann? Ich nicht unbedingt, wobei für Neville die Zeichen schon zaghaft in diese Richtung deuteten. Als vielschichtig erwies sich für mich nur Severus Snape, der mich tatsächlich überrascht hat.

So viel zumeckern und trotzdem kriegt der siebte Harry Potter drei Sterne von mir.
Wie könnte ich auch anders, nachdem Harry sogar für uns gestorben ist?

Yours, Aly <3

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