Selection

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Ein sommerliches Hallo an euch alle da draußen!
Eigentlich sollte an dieser Stelle zur Task-Challenge Wolfgang Herrndorfs Arbeit und Struktur stehen, denn das ist zum Monatsanfang das Buch auf meinem Stapel gewesen, das sowohl als gebundene Ausgabe und als auch als Taschenbuch erschienen ist. Ich muss ehrlich gestehen, für Herrndorf hatte ich in letzter Zeit aber zu oft Kopfschmerzen.
Dass es nun aber ausgerechnet dieses Buch geworden ist, ist eher dem Zufall geschuldet – ich habe erst während der Lektüre geschaut, ob es in beiden Formaten bei uns veröffentlicht ist und siehe da! die Antwort auf die Frage lautete Ja, ist es. Somit beglücke ich euch heute mit der gefühlt drölftausendsten Meinung zu Kiera Cass‘ Roman Selection .

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Titel: Selection
Autor: Kiera Cass
Verlag: Fischer Sauerländer, 2013
Seiten: 368
ISBN: 978-3737361880
Preis: € 16,99 / € 9,99

Inhalt

Amerika, oder das, was davon übrig ist, nach dem dritten Weltkrieg. Es gibt 35 Provinzen, ein Kastensystem und eine Monarchie.
Der Prinz und Thronerbe des Landes ist im heiratsfähigen Alter und hat nun die Aufgabe, sich eine Braut zu erwählen: Eine bürgerliche, ungeachtet ihrer Kaste soll zukünftig an seiner Seite regieren. Dazu lädt der Palast ein Mädchen aus jeder Provinz zum Casting. Unter ihnen auch die junge, vorlaute America Singer …

Meine Meinung

Ja, meine Zusammenfassung klingt eigentlich auch nicht schlechter als der Klappentext (den Originalklappentext habe ich mir erst nach der Lektüre durchgelesen). Hätte man auch draufschreiben können.
Ich bin einem gefühlten Hype erlegen, als ich den Auftakt der Trilogie (Tetralogie?) in der Bibliothek stehen sah. Im Rahmen von Gemeinsam lesen habe ich das Buch bzw. die Reihe sehr oft gesehen und auch im Buchladen bin ich schon oft an dem Cover hängen geblieben. Denn für mich kann man sagen, was man will: Das Cover ist wunderschön. Ich liebe dieses Kleid und hätte es gerne in meinem Kleiderschrank. Oder wohl eher in einem extra Schrank, so ausladend wie es ist.
Die Handlung ist irgendwas zwischen Die Tribute von Panem und der Fernsehshow Der Bachelor. Dass aus jeder Provinz des zerstörten Amerika jemand ausgesucht und in einer Art Fernsehshow landet, klingt doch sehr vertraut, oder? Hier geschieht das jedoch auf rein freiwilliger Basis und die Ladies reißen sich darum, am Casting teilzunehmen. Das mutwillige Töten von Mitbewerbern ist allerdings strikt untersagt und es gibt kuschelige, weiche Betten und tolles Essen und umwerfende Kleider. Mord und Totschlag (kein Spoiler, eine Hyperbel!) gibt es trotzdem, denn wie es sich für eine gute Dystopie gehört, gibt es selbstverständlich rebellische Gruppierungen.
Klingt doof? Ist es auch. Und das, obwohl es so vielversprechend los ging.
Anfänglich gefiel mir das Buch richtig gut. America, auch wenn der Name aus meiner Sicht unendlich doof ist, aber den amerikanischen Patriotismus werde ich als Kind einer Generation der Patriotismus quasi kategorisch verboten war, nie nachvollziehen können, ist sympathisch. Sie ist einerseits natürlich die typische Jugendromanheldin, die gut aussieht, aber nicht zu hübsch ist, sich durch ihre Haarfarbe von der Masse abhebt und natürlich aus einer unteren Kaste kommt, andererseits erweckte sie charakterlich doch nicht so sehr diesen Eindruck. Sie möchte aus diversen Gründen nicht am Casting teilnehmen, weiß aber, dass es eine große Chance für ihre Familie wäre und dieser innere Konflikt ist für mich gut herausgearbeitet worden. Aber dann landet America unter den 35 Erwählten, muss am Casting teilnehmen, sitzt schlussendlich im Palast an der Tafel und blickte beim Essen auf ihren Teller (vgl. S 120).
Etwa von da an ging es für mich mit dem Buch handlungstechnisch bergab.
America wurde mir nicht direkt unsympathisch, aber ihr Verhalten wurde für mich, selbst im Maßstab von dystopischer Jugendliteratur, an entscheidenden Stellen viel zu unrealistisch. Mal abgesehen davon entpuppte sie sich dann doch als in allen Belangen typische Protagonistin eines Jugendromans.
Da das Buch in Ich-Perspektive geschrieben ist, wirken die übrigen Charaktere noch flacher als sie es ohnehin nicht schon wären. Einziger Lichtblick ist Prinz Maxon, aber das Potential, das der Charakter vermuten lässt, verkümmert durch die gewählte Erzählperspektive.
Letzter Kritikpunkt auf der Ebene: Mir persönlich war die Handlung zu ungleichmäßig verteilt. Anfangs geht es nicht voran und dann geht es Knall auf Fall.
Stilistisch ist das Buch weder besser noch schlechter als andere Vertreter des Genres. Es lässt sich einfach gut runterlesen. Ich selbst mag es zwar auch gerne literarischer, aber da es ein Jugendroman ist, gebe ich keinen Abzug, weil Kiera Cass keine seitenlangen, gut durchdachten Schachtelsätze schreibt. Was das angeht, muss ich noch erwähnen, dass ich den Nachnamen von America sehr schön gewählt finde. Sie ist aus einer Künstlerfamilie und Sängerin. Daher ist es ein bisschen back to the roots, sie Singer zu nennen. Das mag vielleicht nicht besonders originell sein, aber es hat mir im Gegensatz zur Wahl des Vornamens sehr gut gefallen.

Fazit: Das Buch zeigt mir einmal mehr, dass unverwechselbare Charaktere im Jugendbuchbereich eher rar gesät zu sein scheinen und stattdessen immer wieder die gleichen Schablonen ausgepackt werden. Die Idee wirkt anfangs vielleicht noch originell, aber es stellt sich schnell heraus, dass es doch nur eine weitere Boy-meets-Girl-Geschichte ist, in der letztlich wieder mehr die äußeren Umstände und als die charakterlichen Eigenschaften der Protagonisten entscheiden. Bleibt am Ende also nur einer von vier Sternen übrig.

1_Stern

Ja. Nachdem diese Woche bei Gemeinsam lesen ja die Rezension Thema war und fast alle einstimmig gesagt haben, dass spoilern nicht geht, hoffe ich, dass ich nicht gespoilert habe. Mich würde an dieser Stelle interessieren, was ihr von der Rezension selbst als solcher haltet. Leider habe ich da bis jetzt noch keinerlei Feedback. Eure Meinung zum Buch interessiert mich natürlich auch.

Yours, Aly <3

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