Herz der Finsternis

apo_now
Ich meine, mich daran zu erinnern, dass ich anderer Stelle schon festgestellt habe, dass die Task-Challenge es schafft, dass ich Bücher lese, die schon viel zu lange auf meinem Stapel liegen oder die ich sonst nicht bewusst auf dem Schirm hatte.
Herz der Finsternis ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Lange habe ich überlegt, mit welchem Buch ich diese Aufgabe wohl erfüllen könnte, denn ich bin ja allgemein nicht so der Fan von Herzschmerzromantik. Doch dann fiel mir Herz der Finsternis wieder ein und dass mein Freund davon geschwärmt hatte und voilà! ich hatte mein Buch mit Herz im Titel gefunden.


Okay, ich sag es jetzt mal so: Es gibt wahnsinnig viele verschiedene Ausgaben von dem Buch, sodass sich nicht einmal die Seitenzahl ordentlich bestimmen lässt. In meiner Ausgabe sind es 130, im kostenlosen eBook 100 und die Reclamausgabe wartet mit gut 160 auf. Daher halte ich die Eckdaten zum Buch heute mal allgemein und verzichte auf ein Cover.

Titel: Herz der Finsternis
Autor: Joseph Conrad
Verlag: diverse
Seiten: 100 bis 160
ISBN: N/A
Preis: ab € 0,00

Inhalt

Kolonialwarenhändler erschließen den Dschungel von Belgisch-Kongo im Dienste der Mächte Europas. Der berüchtigte Mr Kurtz, erfolgreichster aller Elfenbein-Lieferanten, beutet gnadenlos die Ureinwohner aus und lässt sich als Gott verehren. Zunehmend wird er Opfer seiner eigenen Allmachtsphantasien … Der Horror lauert überall, wo der vermeintlich zivilisierte Westen glaubt, Heil bringen zu müssen. (Amazon)

Kapitän Marlow berichtet von seiner Fahrt ins Innere eines unbekannten Kontinents. Die Reise in den Dschungel öffnet ihm nicht nur die Augen über die dunklen Abwege europäischer Eroberungen; sie wird zur Entdeckungsreise: ins Ungewisse der eigenen Existenz, in die Untiefen des Halb- und Unterbewusstseins, ins finstere Labyrinth von Lüge und Schuld. (Amazon)

Beide Inhaltsangaben sind furchtbar und gerade die erste hat meiner Meinung nach eher wenig mit dem eigentlichen Inhalt des Buches zu tun, aber das ist eben das, womit Amazon bzw. der Verlag einem diese Lektüre schmackhaft machen will. Ich finde, alles was man über den Inhalt im Vorfeld wissen sollte, ist, dass es im Kongo spielt. Zumindest für Leute wie mich ist das wichtig, weil die sich sonst die ganze Zeit über fragen, wo Kapitän Marlow eigentlich ist.

Meine Meinung

In meinem Kopf geisterte noch die Verbindung Buch, auf dem Apocalypse Now basiert herum. Da es bestimmt mehr als zehn Jahre her ist, dass ich den Film geguckt habe, war das Einzige, an das ich mich erinnern konnte, Marlon Brando und dass sie irgendwie mit einem Schiff unterwegs waren. Ich konnte also getrost so tun, als hätte ich keine Ahnung.
Schon die ersten drei Seiten haben mich sprachlich vom Hocker gehauen. Manfred Allié hat eine so wunderbare Übersetzung für Conrads Worte gefunden, dass jeder meiner Versuche, diese zu beschreiben, stümperhaft wirken muss. Daraus lässt sich schließen, dass auch die Vorlage großartig sein muss. Stilistisch ist dieses Buch mein erster Höhepunkt des Jahres.
Die Handlung an sich ist da schon nahezu langweilig; Kapitän Marlow reist nach Afrika, schippert den Kongo hinauf und wieder hinunter. Dabei hat er naturgemäß mit einigen Untiefen zu kämpfen.
Interessant ist das, was zwischen den Zeilen steht und wie Conrad es schafft, ein so gegensätzliches Bild von einem Charakter zu zeichnen, der in persona so gut wie keine Rolle spielt. Mr Kurtz ist zwar Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, dennoch erfährt man 99 % über ihn durch die Erzählungen dritter. Conrad baut eine solche Spannung beim Leser hinsichtlich dieses Mr Kurtz auf und löst sie auf eine Art und Weise, die für mich nicht gelungener sein könnte.
Ich bin immer noch schwer beeindruckt und finde kaum passende Worte. Also lasse ich ein Bild für mich sprechen:

4_Sterne

Ich habe beim Herumschauen auf Amazon gelesen, dass die Übersetzungen hinsichtlich ihrer Qualität sehr auseinander gehen sollen. Viele haben die Reclam-Übersetzung empfohlen. Ich kann die Übersetzung von Manfred Allié sehr empfehlen. Ansonsten bleibt immer noch das englische Original. Lesenswert ist das Buch auf jeden Fall, denn es ist nicht nur fantastisch geschrieben, sondern gibt einem auch zu denken. Wie schon oft frage ich mich jetzt wieder, woher die Europäer die Arroganz und die Überzeugung nehmen konnten, besser zu wissen, was gut für die Eingeborenen in ihren Kolonien ist. Ganz zu schweigen von der materiellen und personellen Ausbeutung.

Jetzt stellt sich nur noch die große Frage, ob ich noch Dispatches lese, bevor ich Apocalypse Now nochmal schaue und wann ich die Muße für einen mehr als dreistündigen Film aufbringen kann.

Yours, Aly <3

2 Gedanken zu „Herz der Finsternis

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