Verführt von einem Bastard

RezensionAn dieser Stelle wollte ich euch eigentlich das Buch Vom Aufstieg und anderen Niederlagen von Giovanni di Lorenzo vorstellen. Denn welches Buch könnte wohl mehr in der realen Welt spielen, als eines, das Interviews mit realen Persönlichkeiten über ihre realen Erlebnisse enthält?
Richtig! Kaum eines. Oder zumindest kaum eines derjenigen, die momentan auf meinem Will-ich-lesen-Stapel liegen.[*] Aber dann kam der Schundroman vom Bahnhof und hat alles auf den Kopf gestellt.

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Titel: Verführt von einem Bastard
Autor: Marguerite Kaye
Verlag: Cora Verlag, 2015
Seiten: 255
ISBN: N/A
Preis: € 4,49

Inhalt

„Ich bin der uneheliche Sohn eines italienischen Adeligen.“ Lady Cressida stockt der Atem, als der berühmte Maler Giovanni ihr die Wahrheit über seine Herkunft gesteht. Erfolgreich hat sie bis jetzt jeden Heiratskandidaten abgewehrt – denn sie möchte sich niemals einem Mann unterordnen, ihr Herz gehört der Wissenschaft! Doch der attraktive Giovanni versteht ihr Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit – und als er sie porträtiert erwacht in Cressida brennendes Verlangen. Sie sehnt sich nach seinen Küssen, seiner Liebe. Aber einem Bastard darf sich niemals hingeben … (Klappentext)

Meine Meinung

So, nun kennt ihr auch das generische Cover und den grausigen Klappentext. Wie ich bereits erwähnt habe, habe ich das Buch nur gekauft, weil das Wort Wissenschaft in letzterem vorkam. Und weil ich Langweile auf dem Bahnhof hatte.
Das Buch gehört zur Reihe Historical MyLady, die alle zwei Monate erscheint und ist mein erster, durchgelesener Ausflug in die Kioskliteratur. Dementsprechend hatte ich sehr geringe Erwartungen an das Buch.
Sprachlich ist Verführt von einem Bastard nichts besonderes. Das Wort verflixt , das man sonst vielleicht ein Mal in einem Buch findet, tritt unverhältnismäßig oft auf. Die grobe Story, Mädchen trifft überaus gut aussehenden Jungen und es kommt, was kommen muss, ist ebenso nichts besonderes. Ja. Alles in allem also doch Schund.
Nein!
Vergesst das blöde Cover, den blöden Klappentext und vor allem den endlos dummen deutschen Titel des Buches.
Der englische Originaltitel ist The Beauty Within und besser könnte ich auch meine Meinung zu dem Buch nicht ausdrücken. Neben allem, was das Buch zweifelsohne generisch macht, ist es wunderschöne Geschichte über zwei junge Menschen, die sich von ihrem Elternhaus emanzipieren und auf diesem Weg sich selbst sowohl als Individuum als auch als Paar finden.
Klingt Lady Cressida auf dem Klappentext noch mehr wie die Prinzessin aus dem Märchen König Drosselbart, stellt sich heraus, dass sie Heiratskandidaten nicht absichtlich in die Flucht schlägt, sondern dies vielmehr eine Konsequenz des Frauenbildes zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist. Auch dass Giovanni ein Bastard ist, spielt für die Beziehung der beiden nicht die Rolle, die der Klappentext impliziert.
Die Art und Weise, auf die Spannung in der Beziehung von Cressida und Giovanni aufgebaut wird, finde ich durchaus gelungen. Es knistert zwar von Anfang an, aber der Leser wird lange auf die Folter gespannt. Ich persönlich fand es an einigen Stellen spannender als manchen Krimi.
Ich glaube, mich hat noch nie ein Buch, an das ich so niedrige Erwartungen hatte, so positiv überrascht. Volle Punktzahl gebe ich nicht, dafür ist das Buch nicht gut genug, aber drei Sterne sind für mich gerechtfertigt, denn ich hatte am Ende viel Spaß beim Lesen.

3_Sterne

Wer seichter Frauenliteratur für Zwischendurch etwas abgewinnen kann, der kann sich dieses Büchlein ruhig mal zu Gemüte führen. Ich habe es nicht bereut.

Hat euch ein Buch auch schonmal so positiv überraschen können?

Yours, Aly <3 ------- * Okay, nein. Vergesst das, da liegen noch Christian Wulffs Ganz oben, ganz unten, Wolgang Herrndorfs Arbeit und Struktur und diverse Sachbücher. Auch alles sehr real.

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