Blitzbirke

RezensionAch ja, die Task-Challenge.
Ebenso wie das Lesen allgemein im November, habe ich auch sie eher stiefmütterlich behandelt. Zwar hatte ich einen genauen Plan, was die Bücher betraf – Der Medicus für das Buch mit geflügelten Wesen auf dem Cover (ja, auf meiner Ausgabe kreisen Vögel rum) und Tintenherz für das Buch dessen Ersterscheinen 10 Jahre her ist – , aber wie bereits an meinen Beiträgen zu Gemeinsam lesen zu erkennen war, hat das nicht geklappt.
Aber zu guter Letzt bin ich dann aber doch noch über ein Buch gestolpert, das ich geschafft habe und das zu einer Aufgabe passt. Lustigerweise genau zu der, zu der ich zunächst kein Buch gefunden hatte.

Blitzbirke deshalb, weil sie sich sogar vom Einschlag eines gigantischen Blitzes anstandslos erholte. (Pos. 904)

blitzbirke



Titel: Blitzbirke
Autor: Lisa Kreißler
Verlag: mairisch Verlag, 2014
Seiten: 208
Preis: € 17,99/ € 9,99
ISBN: 978-3938539309

Es ist ein hedonistischer, gänzlich angstfreier Hühnerhaufen. (Pos. 1656)

Inhalt

Kurz vor seinem 30. Hochzeitstag fällt Eddas Vater vom Pferd. Zwar bricht er sich bloß ein paar Rippen, doch seine älteste Tochter, die sofort (aus Leipzig!!!!!) anreist, wittert Unheil. Ihr neuer Freund Hans, ein schweigsamer Maler, begleitet sie. Er scheint ebenso aus der Zeit gefallen zu sein wie Eddas Heimatdorf Odinsgrund:
Dort fährt ein Riese Motorrad, die Mutter nimmt Betrunkenen Blut ab, aus dem Acker wachsen Muscheln, und ob der Hund wirklich ein Hund ist, muss sich erst noch rausstellen.
Edda spürt: Hier stimmt was nicht. Doch dann ist da ja auch noch Hans. Gemeinsam müssen die beiden gleich zwei Wunderlandschaften durchqueren, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen.

Lisa Kreißlers Debüt Blitzbirke erzählt eine einfache Liebesgeschichte: Ein wildes Mädchen befreit sich durch das Wunder der Liebe aus den Fängen ihrer Vergangenheit. Doch erst vor dem märchenhaften, naturromantischen Hintergrund der Geschichte kommt das eigentliche Thema des Textes zum Tragen: die fabelhafte Kraft der Gegenwart.

(Klappentext)

„Du willst mich umbringen, stimmt’s?“, frage ich.
„Ja, aber das Gute daran ist, dass du dir aussuchen darfst, wie.“

Meine Meinung

Schon als ich im Buchladen den Titel las, wusste ich, dass ich mir das Buch genauer anschauen muss. Der Klappentext klang nicht abschreckend, sondern ansprechend. Und so kam es dann, dass ich es letzte Woche aus der Bibliothek ausgeliehen hab. (Gelesen habe ich dann aber doch die eBook-Variante.)
Es ist schwierig, das Buch zu beschreiben. Stellenweise ist es nicht einfach, zu unterscheiden, was tatsächlich passiert und was durch die blühende Phantasie der Ich-Erzählerin Edda zu sehr ausgeschmückt oder gar erdichtet wird. Aber es passt, da Edda selbst Theaterstücke schreibt und dichten muss. Dadurch ist das ganze Buch recht lyrisch und immer wieder gespickt mit kleinen, theaterähnlichen Szenen.

Seeräuber: Die Gefangenen unter Deck. Los, runter mit euch!
Mutter zu uns: Entschuldigen Sie!
Seeräuber zu Hans: Dich brauchen wir hier oben. Du bist Kannibale. (Pos. 19)

Zuerst hat es mich irritiert, da ich eigentlich dachte, ich hätte einen normalen Roman vor mir und dann geht es los, wie ein Bühnenstück.
Aber es fügt sich unheimlich gut in den Rest des Buches ein und hilft, sich Eddas Denkweise besser vorzustellen und ihren Charakter zu zeichnen. Insgesamt ist Blitzbirke wohl das Buch von denen, die ich dieses Jahr in Ich-Perspektive gelesen habe, in dem diese am besten gepasst hat und umgesetzt war. Im Gegensatz zu anderen Büchern kann ich mir hier nicht vorstellen, dass eine andere Erzählperspektive die gleiche Wirkung erreicht oder so gut gepasst hätte.
Das Buch erzählt tatsächlich eine schöne, einfache Geschichte, die wahrscheinlich viele in ihren Grundzügen kennen dürften. Es ist noch ein kleines bisschen Coming-of-Age, obwohl Edda schon längst erwachsen ist, und hat es für mich geschafft, sowohl unterschwellig als auch direkt Fragen des Lebens aufzuwerfen.
Für die volle Punktzahl hat mich der Schluss, so wunderbar er auch geschrieben ist, dann aber zu sehr aus der Bahn geworfen. Ehrlich gesagt, hatte ich kurzzeitig das Gefühl, dass ich versehentlich ein paar Seiten überblättert habe (war aber nicht der Fall). Daher gibt es folgende Bewertung:

3_Sterne

Wer ein schönes, nicht zu rührseliges, kurzweiliges Buch voller Phantasie lesen möchte, dem lege ich Blitzbirke sehr ans Herz.

Habt ihr schon von dem Buch gehört? Hat es vielleicht sogar schon wer gelesen?

Yours, Aly <3

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