Gemeinsam lesen #3

BücherWieder ist eine Woche rum und es gibt von meiner Seite aus einen neuen Beitrag zur Reihe „Gemeinsam lesen“.
Mein Plan ist, das als eine Art montägliches Ritual zu nehmen und so einen schönen Start in die Woche mit euch zu haben. Oder zumindest einen Anlass, ein Mal die Woche einen Beitrag zu veröffentlichen, wenn es an der Handarbeitsfront nichts neues gibt. Häkel- und Strickfraktion sind gerade in zähe Verhandlungen hinter einem Wollwall verstrickt, während die Tuchfraktion unter Führung von Hobby-General Pfaff 382. versucht, das feindliche Territorium zu infiltrieren.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
David Foster Wallace: Der bleiche König, S. 202

2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
„Ich habe die Frage des Drogenkonsums in dieser Zeit ebenso ausgelassen wie die Rolle, die gewissen Drogen dabei spielten, wie ich hierherkam, was jetzt keinesfalls eine Verharmlosung des Drogenkonsums sein soll, sondern einfach einen Teil der Geschichte der Faktoren bildet, dich mich schließlich zum Service brachten.“

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? (Gedanken dazu, Gefühle, ein Zitat, was immer du willst!)
Als ich das Buch zum ersten Mal im Buchladen stehen sah, wusste ich, dass ich es lesen muss. Ich bin ein sehr visueller Typ und dieses minimalistische Cover hat mich sofort angesprungen, denn in der Menge überladener, bebilderter Bucheinbände fiel es auf wie ein bunter Hund. Der Klappentext in ähnlichem Stil; er verriet nur in etwa worum es sich in dem Buch drehen sollte: die amerikanische Steuerbehörde (der Service). Das klang so abwegig, dass es schon wieder klasse war.
Der Einstieg in das Buch war überraschend, nur eine Person, die tatsächlich gleich etwas mit dem Service zu tun hat. Der Rest eher eine Ansammlung trauriger Kindheiten. Aber es entwickelte sich, die Personen kamen wieder und standen nun in Verbindung zum Service. Ich habe teilweise Tränen gelacht bei Zitaten wie:

„Der IRS gehörte zu den ersten Bundesbehörden, die die Erfahrung machten, dass […] abstruser Stumpfsinn ein weit effizienterer Schutzschild […] ist.“ (S. 99)

Oder war begeistert von der sprachlichen Gewandheit des Autors, die es schaffte (PETA möge mir verzeihen), grandiose Bilder zu zeichnen:

„Die junge Mutter durfte manchmal nach draußen, um die Sperlinge zu begraben, die am Haus Feuer gefangen und in einem Aufblitzen und einem vogelförmigen Rauchbällchen ihre Seelen ausgehaucht hatten.“ (S. 69)

Und manchmal wartet das Buch sogar mit Sätzen auf, die das Zeug zu wahren Lebensweisheiten haben:

„Das Wichtige ist manchmal langweilig.“ (S. 158)

4. Was wäre der Grund, aus dem du dein aktuelles Buch innerhalb der nächsten 50 Seiten abbrechen würdest. Was müsste passieren? Oder wäre das undenkbar und warum?
Als ich angefangen habe, diesen Beitrag zu planen, war ich irgendwo um Seite 160 und habe diese Frage ganz klar damit beantwortet, dass nichts passieren könnte, was mich dazu bringt, dass Buch innerhalb der nächsten 50 Seiten abzubrechen. Es gab zwar Stellen, die mir nicht so gefallen haben oder die anstrengend waren, aber so ist das eben, wenn man sich auf anspruchsvollere Bücher einlässt. Ich wollte wissen, ob sich die verschiedenen Charaktere irgendwie mal direkt miteinander zu tun haben, wie sie sich weiterentwickeln, was überhaupt was passiert. Das, was ein gutes Buch also in einem auslösen sollte. Das ist Motivation genug.
Dann kam §22.
Nach gut 30 Seiten hatte ich immer noch keine klare Vorstellung davon, wer die erzählende Person war, ob sie vorher schon vorgekommen ist und was sie eigentlich mit dem bisherigen Buch zu tun hat. Das Kapitel war anstrengend zu lesen, weil der Charakter, der es in Ich-Perspektive erzählt, anstrengend ist. Mit Erschrecken stellte ich fest, dass noch gute 80 Seiten in diesem Kapitel folgen sollten und plötzlich war sie da: Die Situation, von der ich einen Tag zuvor noch gesagt habe, dass es sie nicht gäbe.

Somit betrüge ich eigentlich ein kleines bisschen, denn ich habe bereits aufgehört, dass Buch zu lesen und ein anderes angefangen.
Aber da die vierte Frage jetzt noch besser passte (und ich euch die drei Zitate nicht vorenthalten wollte), nehme ich Der bleiche König trotzdem als meinen Beitrag zur aktuellen Gemeinsam-Lesen-Runde. Ich schließe nicht aus, dass ich es irgendwann zu Ende lese (und dabei zu Not einfach in §23 wieder einsteige und hoffe, dass im vorhergehenden Kapitel nicht die Offenbarung des Buches versteckt war), denn es ist nicht schlecht. Es ist anspruchsvoll.

Hattet ihr es auch schon, dass ihr ein Buch nicht weiter gelesen habt, obwohl es nicht schlecht war?

Yours, Aly <3

Bild: RLHyde via flickr (Hooray for Creative Commons!)

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